NORAH-Studie

NORAH-Studie

Die Lärmwirkungsstudie NORAH (Noise-Related Annoyance, Cognition and Health) untersuchte die langfristigen Wirkungen von Verkehrslärm auf die Gesundheit, Lebensqualität und kindliche Entwicklung im Rhein-Main-Gebiet. Im Oktober 2015 wurden aktuellste Ergebnisse aus der Lärmwirkungsforschung veröffentlicht. Die Wissenschaftler bezogen die Krankheitsgeschichten von rund einer Million Menschen ein und berechneten die Lärmbelastung an etwa 900.000 Adressen aus der Region.   Die knapp fünf Jahre andauernde Forschungsstudie untersuchte (bis auf Tinnitus) alle von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) genannten Auswirkungen von Lärm:
  • Belästigung und Beeinträchtigung der Lebensqualität,
  • Krankheitsrisiken,
  • Auswirkungen auf den Schlaf,
  • Auswirkungen auf den Blutdruck,
  • Auswirkungen auf die kognitive Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität von Kindern.
Hier die wichtigsten Ergebnisse der fünfteiligen NORAH-Studie:
  • Lebensqualität und Belästigung

    In dieser Studie sollten ca. 19.000 Teilnehmer befragt werden. Jedoch schrumpfte die Teilnehmerzahl im Laufe der Untersuchung extrem zusammen. Der Begriff "Belästigung" wird subjektiv empfunden, wodurch "Belastung" objektiv messbar ist. Anwohner des Frankfurter Flughafens fühlten sich bei gleichem Dauerschallpegel stärker durch Fluglärm belästigt als in vorherigen Studien. Die Belästigung stieg nach Eröffnung der Landebahn Nordwest im Jahr 2011 an und sank 2013 wieder ab, blieb jedoch über dem Niveau von 2011. Wissenschaftler nennen dies den „Change Effekt“ im Zusammenhang mit dem Ausbau des Flughafens. Auch konnte nachgewiesen werden, dass Fluglärm die Menschen stärker belästigt, als Straßen- oder Schienenverkehrslärm.

Dipl.-Psych. Dirk Schreckenberg, Leiter der Lebensqualitätsstudie von NORAH

Lärmwirkungsstudie NORAH, Dipl.-Psch. Dirk Schreckenberg von der ZEUS GmbH
Gemeinnützige Umwelthaus GmbH

Fluglärm belästigt am stärksten

24-Std-Dauerschallpegel des Lärms in Dezibel
Schreckenberg/ZEUS
  • Studie zu Krankheitsrisiken

    Für alle drei Verkehrsarten konnte die Studie einen Zusammenhang mit dem Auftreten eines Herzinfarktes, Schlaganfalls, Herzinsuffizienz (Herzschwäche) und Depression feststellen.

    • Herz-Kreislauf-Risiko bei Verkehrslärm erhöht
    • Depression: Verkehrslärm erhöht das Krankheitsrisiko
    • Brustkrebs: weitere Forschung nötig.

Prof. Dr. med. Andreas Seidler leitet die Studie zu Krankheitsrisiken

Andreas Seidler
Stephan Wiegand

Herzinsuffizienz und Fluglärm

Herzinsuffizienz und Fluglärm
Seidler/TU Dresden
Die Grafik zeigt eine lineare Risikoerhöhung (violette Linie) von 1,6% pro 10 Dezibel.

Schlaganfall und Fluglärm

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Seidler/TU Dresden
Die Grafik zeigt tendenziell eine lineare Risikoverringerung (violette Linie) von 2,4% pro 10 Dezibel.

Herzifarkt und Fluglärm

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Seidler/TU Dresden
Die WissenschaftlerInnen konnten mit NORAH bestätigen, dass Verkehrslärm ein Herzinfarktrisiko darstellt: Beim Fluglärm findet sich kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen dem gleichmäßigen Lärmzuwachs und einem Herzinfarkt. Allerdings waren weniger Menschen im Untersuchungsgebiet lautem Fluglärm ausgesetzt: Nur bei etwa zwei Prozent der Personen im Untersuchungsgebiet lag der Fluglärm-Dauerschallpegel bei über 55 Dezibel, bei niemandem überstieg er 65 Dezibel.
  • Schlafstudie

    Personen, die dem Flugverkehr gegenüber eher kritisch eingestellt sind, schlafen generell schlechter als Luftfahrtbefürworter.

  • Blutdruckstudie

    Dass sich der Blutdruck durch chronischen Fluglärm erhöht, konnte nicht sicher bestätigt werden. Dieses Ergebnis widerspricht teilweise Hinweisen aus früheren Studien.

  • Kinderstudie

    Grundschulkinder lernen in stark vom Fluglärm belasteten Gebieten bis zu drei Monate später Lesen als Kinder in ruhigen Orten. Eine Lärmzunahme von 10 Dezibel verzögert das Lesenlernen um einen Monat. Zudem wurde festgestellt, dass Kinder in stark lärmbelasteten Gebieten sich gesundheitlich weniger wohl fühlen. Ihre Eltern gaben zudem häufiger an, dass bei ihrem Kind bereits einmal eine Sprech- oder Sprachstörung diagnostiziert worden sei. Lehrkräfte aus durch Fluglärm hoch belasteten Gebieten berichten übereinstimmend, dass der Lärm den Unterricht stark stört.